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Nascom Journal

Dezember 1981 · Ausgabe 11/12


Variablenwertes auf den Stack.) Im Interpretermodus wird diese Funktion nun sofort ausgeführt. Wenn die Funktion "Werte" benötigt, nimmt sie sie vom Stack. Diese Werte müssen also vorher in der richtigen Reihenfolge eingegeben worden sein oder von einer anderen Funktion auf dem Stack hinterlassen worden sein (UPN). Wenn die jeweilige Funktion einen Wert als Ergebnis hat, gibt sie ihn ebenfalls auf den Stack. In der Regel - es gibt aber Ausnahmen - soll eine Funktion ihre Argumente "aufbrauchen". Eine Funktion kann auch ein Wort als Argument fordern (in der Regel ebenfalls eine Funktion), das dann aber nicht vorangestellt wird, sondern auf den Funktionsnamen folgt.

Das Besondere an FORTH ist nun, daß diese "Programmiersprache" durch sich selbst erweiterbar ist. Mit Hilfe der "definierenden Funktionen" (in unserem Fall ":", MCODE, MESSAGE, VARIABLE, CONSTANT) werden neue Funktionen erzeugt, die ebenfalls einen Namen erhalten, der in das Dictionary eingetragen wird. Es gibt, genau genommen, gar keine Unterscheidung zwischen "Programmen" und "Funktionen", also eigentlich gar keine "Programme" im üblichen Sinne, sondern nur ein Anwachsen der Funktionen des Interpreters und ihrer Namen im Dictionary. Ist FORTH denn nun überhaupt eine "Programmiersprache"? Ich glaube, das hängt davon ab, wie man das System anwendet. Geht man immer von einem bestimmten Standard-Wortschatz aus, wenn man den Computer eine bestimmte Aufgabe lösen lassen will, dann kann man sicher von einer "Programmiersprache" im üblichen Sinne sprechen. Man kann den Interpreter aber auch als eine Art komfortables Betriebssystem auffassen oder als eine Bibliothek von Unterprogrammen. Dann wird das System bei jedem Anwender sehr schnell eine individuelle Gestalt annehmen, die den jeweiligen Bedürfnissen angepaßt ist. Die im folgenden beschriebene Funktion stellt eine solche individuelle Erweiterung dar, die nun wirklich nichts mehr mit dem Standard-FORTH zu tun hat:

: TESTKL  DUP 96 > IF
          125 < IF ZERO ELSE NEGONE THEN
          ELSE POP NEGONE THEN           ;
ZERO VARIABLE LASTC
: MISCHTEXT     REPEAT CIN DUP TESTKL UNTIL
COUT LOOP DUP 32 EQ IF LASTC PEEKW 32 EQ IF
COUT MISCHTEXT THEN THEN DUP LASTC POKEW  ;
: , 23 COUT READLINE ;
CADR MISCHTEXT CADR READLINE 16 + POKEW

TESTKL ist eine Hilfsfunktion, die prüft, ob es sich bei dem obersten Stackwert um das Zahlenäquivalent eines Kleinbuchstabens handelt, und entsprechend 0 oder -1 (FFFFH) auf den Stack gibt. Mit Hilfe dieser Funktion wird nun MISCHTEXT definiert. Dies ist eine Eingaberoutine, die Kleinbuchstaben und überflüssige Leerzeichen ignoriert. Sie wird in die Funktion READLINE an Stelle der normalen Eingaberoutine CIN hineinkopiert. Beide Interpreter und der Compiler ignorieren nun Kleinschrift, so daß man damit beliebig Kommentare einfügen kann, ja man kann sogar in gut verständlichen "ganzen Sätzen" Programme schreiben. Anders als bei Kommentaren in Basic wird dadurch weder der Speicherbedarf vergrößert noch die Ausführung eines Programms verlangsamt. Reizvoll wäre es z.B. auch, die englischen Namen im Dictionary durch deutsche zu ersetzen (dann wird das Wörterverzeichnis allerdings erheblich länger).

Die Funktion "," koppelt zwei Befehlszeilen oder zwei Funktionsdefinitionen aneinander. Man kann damit z.B. eine ganze Bildschirmseite mit Befehlen vollschreiben, wobei man jede Zeile mit einem Komma abschließt, und dann die ganze Seite auf einmal abarbeiten lassen (EDITOR-Modus!). Ebenso kann man mehrere Definitionen miteinander verbinden, wenn man hinter das abschließende Semicolon einer Definition ein Komma setzt. All diese Funktionen sind für den EDITOR-Modus, weniger für den INTERACT-Modus geeignet, da sich dann beim Löschen mit "Backspace" in einigen Fällen Fehler ergeben können.

(Oben kommt wie an einigen anderen Stellen die Funktion "<" vor; gemeint ist immer "<=", ich habe das bloß bei mir noch nicht korrigiert!)

Zum Abschluß möchte ich noch die angekündigte LIFE-Variante bringen. Das Besondere an dieser Version ist, daß als "Lebensraum" annähernd eine Kugeloberfläche simuliert wird. Zellgebilde, die z.B. über den oberen Bildschirmrand hinauswandern, tauchen am unteren Bildschirmrand wieder auf; ebenso gilt dies für den linken und rechten Bildschirmrand. Nur an den vier Eckpunkten ergeben sich Unregelmäßigkeiten. Das Programm läuft im Editormodus und benutzt die Zeilen












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